
Der Krieger aus Moixent/Mogente
Seit vielen Jahren bereise ich Spanien und erfreue mich an seiner interessanten, vielseitigen und reichen Geschichte und es ist für mich immer wieder eine grosse Überraschung, auf etwas zu stossen, was ich bis jetzt noch nicht “ausgegraben” habe. Beim Stadtbummel durch Valencia fiel mir eine sehr interessante Reiterfigur auf, und ich wollte wissen, welche Geschichte sie hat.
Wie erstaunt war ich jedoch, als ich erfuhr, wie alt sie schon ist Ich wusste natürlich genau, dass das Land viele Jahrhunderte von den Mauren geprägt war und davor hatten die Römer ebenfalls Jahrhunderte dem Land ihren Stempel aufgedrückt, noch weiter zurückliegend waren es die Griechen, die bis an Spaniens Küsten geschifft sind und haben ihre Siedlungen von Nodern bis Süden an der Mittelmeerküste ‚ganz besonders an der Costa-Brava uns der Costa Blanca. angelegt und Städte und Häfen gebaut und Handel getrieben. Man kann heute noch Zeugnisse all dieser verschiedenen Kulturen besichtigen und bestaunen. Aber darüber schreibe ich später einmal, denn heute gehts um diese beeindruckende Reiterfigur, denn sie hat mit all diesen Völkern rein garnichts zu tun, sie ist älter als alles andere.
In der Umgebung des kleinen Örtchens Mogente/Moixent (in Valenciano) in der Provinz Valencia, etwa 30 km von Jativa entfernt und nur 74 km von Valencia, fand man 1931 diese iberische Bronzefigur und man konnte klar und deutlich einen Krieger auf einem Pferd erkennen und stellte dann nach den erforderlichen Untersuchungen fest, dass diese Reiterfigur im V oder sogar IV -Jahrhundert vor Christus angefertigt wurde und man taufte sie “Guerrero de Moixent” –Krieger aus Moixent, Diese Figur aus Bronze gegossen hat man als Weihgeschenk und Gragbeigabe eingestuft und nimmt an, dass sie dem Verstorbenen bei Eintritt in das nächte Leben beistehen sollte. Sie kann aber auch als Dankesgabe für gewährteDienste angesehen werden. Auf jeden Fall ist sie eine Grabbeigabe religiösen Charakters.
Es interessierte mich natürlich auch ausserordentlich, den genauen Fundort und seine nähere Umgebung sowie die umliegende Landschaft kennenzulernen und ich fand heraus, wie ich dorthin reisen konnte.
Man teilte mir im Museum mit, dass der Fundort in der “Bastida de les Alcusses” bei den Ort Moixent /Mogente liegt und noch die Reste einer iberische Stadt vorzufinden sind, die seiner Zeit im V. oder IV-Jahrhundert vor Ch. gegründet wurde, anwuchs und in nicht mal 100 Jahren wieder in Vergessenheit geriet und somit weit mehr als 2000 Jahre im Schatten der Vergessenheit lag bis dann bei Grabarbeiten 1928 die Überreste des Ortes entdeckt wurden. Somit trennen uns also etwa 2500 Jahre von dem Aufstieg einer Zivilisation von unabhängigen, erfindungsreichen Menschen, die grosse Krieger und Handwerker waren und in den Anfängen der Eisenzeit den Südosten einer Halbinsel bevölkerten, die später den Namen Iberia trug In der ummauerten Stadt müssen damals mindestens 1000 bis 1200 Menschen gelebt haben.
Aber wie kam es dazu,. dass diese “Bastida de les Alcusses“, eine schon richtig funktionierende bewohnte Stadt in einer Zeit ständiger Kämpfe mit den Nachbarvölkern, gegründet wurde, bewohnt war und dann total in Vergessenheit geraten konnte und das alles in einem so kurzen Zeitabschnitt von 100 Jahren. Die Steinhäuser der Bastida wurden s.Zt. mit Wohnflächen von 70.- qm bis 150.- qm auf einer Anhöhe von 741 M. über dem Meeresspiegel und etwa 300 M über den umliegenden Tälern zwischen 2 strategisch wichtigen Wegstrecken gebaut. Später legten die Römer ihre “Via Augusta“, von der man heute auch noch Reste vorfindet, genau in diese Talstrecke.
Diese klugen Anführer der iberischen Ansiedlung wählten genau dieses Stück Erde aus, weil sie von dortaus das gesamte Tal dominieren konnten und sie hatten den Fluss Vinalopó als Wasserquelle und zum Fischfang direkt vor der Türe. In den hundert Jahren ihres Bestehens fiel die Stadt nie in die Hände eines Feindes.Dann aber, um etwa 325. v. Chr., ohne einen genau Grund feststellen zu können, fand man heraus, dass es zu einer fast totalen Zerstörung kam und man kann nur annehmen, dass es sich uni interne Konflikte iberischer Volksgruppen handelte. Die gefundenen Ruinen dieser Stadt. die man als wirklich wichtig ansehen muss, da man Reste von Wohnhäusern, Werkstätten, Stallungen, Lagerspeicher und einer grossen Tempelanlage zwischen 1928 und 1931 freilegen konnte, sind gut erhalten und einmalig in der Geschichte Spaniens.
Diese so interessanten Ausgrabungen wurden s. Zt. zum als wichtigstes historisches und artistisches Monument deklariert und die gesamte Presse schrieb schon von einem neuen Pompeyi, Jedoch gerieten dann leider die Ausgrabungen wieder in totale Vergessenheit.( Bürgerkrieg und die Auswirkungen mit ihren schlimmen Jahren danach). Erst wieder in den späten neunziger Jahren hat sich das Prähistorische Museum von Valencia für diese wichtigen Ausgrabungen interessiert und man kann heute nicht nur den “Krieger von Moixent “, sondern vieles andere dort augegrabene und guterhaltene Gegenstände bewundern wie z- B. Bleiplättchen mit dem iberischen Alphabet auf beiden Seiten, bis heute leider noch nicht komplett entziffert. Man nimmt an,dass es sich um Handelsanweisungen handelt.Ebenso fand man eine grosseAnzahl der verschiedensten Waffen wie auch handgeschmiedete Instrumente und landwirtschaftliche Werkzeuge aus geschmiedetem Eisen.
Heute ist die “Bastida de les Alcusses” ein einmaliger archäologischer Schatz, der Zeugnis von den Ureinwohnern des Südostens der Iberischen Halbinsel ablegt und man kann in etwa nachvollziehen, wie die damaligen Bewohner lebten und welche Gewohnheiten sie hatten, sie, die dem Land den Namen gaben : Iberia. Der Aufstieg zu den Ausgrabungen geht von Mogente aus, dieser Ort ist seit1303 bevölkert. Er ist weder anstrengen noch zeitaufwendig, ich schaffte ihn in einer halben Stunde. Mein Auto liess ich unten und genoss den Spaziergang durch die Pinienlandschaft. Oben angelangt, kann man gut nachvollziehen, wie sich die damaligen Einwohner der Stadt gefühlt haben mussten, mit dem weiten Blick in die schöne Landschaft .
Es umgab mich eine herrliche Ruhe und einen Frieden, so weit weg von dem Trubel der heutigen Zeit und so weit weg auch von einer Kultur, die über jahrtausende in Vergessenheit geraten war Das Gefüht ist kaum zu beschreiben, man muss es selbst erleben. Einen guten Rat gebe ich Ihnen mit auf den Weg: Nehmen Sie sich einen kleinen Rucksack mit und etwas zu trinken und zum Essen. Oben gibt es nichts zu kaufen. Aber unten wieder angekommen, empfehle ich Ihnen die wirklich erstklassischen Landrestaurants mit wunderbaren typischen Gerichten wie Gazpacho-Manchego mit “pedrella” oder eine ausgezeichneten Paella mit Wild ( vorher bestellen), auch “Les farinetes” eine Suppe aus frischem grünem Kloblauch ist sehr zu empfehlen.
Nachfolgend beschreibe ich Ihnen die besten Anreisemöglichkeiten und es würde mich freuen, wenn Sie diese Reise in eine Landschaft mit weit zurückliegender Vergangenheit genauso geniessen werden, wie ich es tat.
Viel Spass!
Poblado iberico de la Bastida de les Alcusses:
Carretera von Moixent nach Fontanars, km 11 Eintritt ist frei Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 14 Uhr und von 16-18 Uhr im Winter und von 18 bis 20 Uhr im Sommer.
Von Valencia kommend auf der V 31 bis zur A7 (Alicante-Albacete interior) bis zur Ausfahrt 28, die zum Poligono-Industrial von Moixent auf der CV 589 führt. Ab Moixent nimmt man die CV 652 bis hin zu der Ausfahrt zur Bastida de les Alcusses. Dort beginnt der Aufstieg.
Von Alicante aus auf der A-31 bis Font de la Figuera und auf die N 344 abzweigen um in die A 35 zu fahren bis zur Ausfahrt 23 bis Moixent, dann auf der CV 652 bis Bastida de les Alcusses.Dort beginnt der Aufstieg.
Von Hedi Schneider








