HórreosBeim Reisen durch den ländlichen Raum Galiziens merkt man schnell, dass es sich um eine Region mit vielen Steinbauten handelt. Heimische Granite gepaart mit der antiken iberokeltischen Kultur, führen zu einer verblüffenden Ähnlichkeit mit anderen keltischen Regionen wie der Bretagne, Irland und Großbritannien. Die vielen Steinhäuschen, Kathedralen, Mauern und Baumhofnebengebäude Galiziens tragen mit deren rustikalem Stil und der historischen Verknüpfung, die sie herstellen, zu dieser Ähnlichkeit bei, welche diese grüne Gegend Spaniens definiert.

Eine der außergewöhnlichsten Konstruktion von allen, ist das Hórreo, in der Region auch unter den Namen paneira, canastro, piorno oder cabazo bekannt. Dies sind antike Steinkonstruktionen, die etwas erhöht über dem Feld oder den Küstenfelsen auf denen sie stehen, errichtet sind. Die Fantasiereicheren unter uns könnten die traditionell rechteckigen Hórreos für eine Art Gruft oder Grabstätte halten, aber tatsächlich ist deren Hintergrund nicht ganz so schauerlich. Obwohl diese einzigartigen Konstruktionen mit Steinkreuzen und anderen Schnitzereien versehen sind, handelt es sich um landwirtschaftliche Bauten, die traditionell von Bauern als Speicher oder von Fischern als Lagerräume für deren Ausrüstung und Netze verwendet wurden.

Steinbauten GalizienObwohl es einige Hórreos aus Holz gibt, sind die herausragendsten Beispiele typischerweise aus Stein. Sie sind auf Pfeilern gebaut, um Nagern kein Eindringen zu ermöglichen und deren Wände sind mit Luftschlitzen ausgestattet. Manche Speicher haben auch Ziegel- oder Strohdächer und variieren in Breite – im Osten Galiziens sind sie quadratisch anstatt rechteckig. Der Längste befindet sich in A Carnota, in der Provinz A Coruña und misst eine Länge von 35 Metern. Obwohl man heute noch viele dieser mysteriösen Bauwerke bestaunen kann, existieren keine mehr aus Zeiten vor dem 15. Jahrhundert.

Dennoch ist es sicher, dass diese Bauten ihren Ursprung in ferner Vergangenheit haben, aus einer Zeit noch vor römischen und anderen Eroberungen. Es wurden Quellen gefunden, die mehrere Jahrhunderte vor Christus datieren und Beschreibung der Hórreos enthalten, obwohl es wahrscheinlich ist, dass sie aus einer Zeit hervorgehen, noch bevor Schriften existierten. Obwohl sie mit Galizien und anderen Teilen Spaniens und Portugals identifiziert werden, wurden antike auf Pfeilern gebaute Speicher die den Hórreo gleichen, auch in anderen, weit verstreuten Teilen Europas, wie England, Norwegen, der Schweiz und dem Balkan gefunden, was darauf hindeutet, dass es sich hierbei nicht um ein vollkommenes Einzelphänomen handelt.

Antike Steinkonstruktion GalizienSollten Sie also bei einer Erkundung der wunderschönen ländlichen Gegend Galiziens auf so ein ungewöhnlich geformtes und mysteriöses Bauwerk stoßen, werden Sie wissen, dass es sich dabei nicht um eine Konstruktion von Kobolden handelt, sondern eine Möglichkeit unserer Vorfahren war, um ihr äußerst wichtiges Getreide zu lagern.