Die berühmte Kuppel Saales der Menschenrechte am UNO-Sitz in GenfDer mallorquinsche Maler Miquel Barceló (Felantix, 1957), wurde vor Kurzem mit dem Premio Nacional de Arte Gráfico ausgezeichnet, Spaniens angesehener Preis der grafischen Kunst, der von der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando verliehen wird. Damit folgt Barceló in Jaume Plensa Fußstapfen, dem letztjährigen Gewinner, und kann seiner Sammlung eine weitere wichtige Auszeichnung hinzufügen, wie die Preise Pemio Nacioal de Artes Plásticas (1986) und Principe de Asturia de las Artes (2003), die er bereits in der Vergangenheit erhalten hat.

Barceló kam schon in jungen Jahren mit der Kunst in Kontakt, da seine Mutter sich der Malerei betätigte und da einer seiner Groseltern Werke für die Bildergalerie der Familie erwarb, unter denen sich auch Werke bekannter Künstler wie Anglada Camarasa wiederfinden. Mit 15 Jahren begann Barceló an der Escola d’Arts i Oficis de Palma de Mallorca, wobei er bereits nach zwei Jahren nach Barcelona umzog um sein Studium an der l’Escola Superior de Belles Arts de Sant Jordi fortzusetzen. In dieser Zeit und durch Reisen nach Paris kam er in Kontakt mit der Art Brut und der Malerei von Paul Klee, Fontana und Rothko. Wenig später kehrte er nach Palma zurück, wo er der konzeptionellen Taller Lunàtic beitrat, eine multidisziplinäre Gruppe von Künstlern und Dichtern.

IVAM, ValenciaIn 1977 kontaktierte er die Zeitschrift „Neón de Suro“, wodurch er den valencianischen Designer Javier Mariscal kennenlernte. Später realisierte er Ausstellungen in Barcelona, Kalifornien und Kanada. Im selben Jahr schuf er auch sein erstes großflächiges Gemälde, ein Wandbild für ein Hotel in Cala Millor. Ein Jahr später zog er permanent nach Barcelona, wo er sehr von anderen Malern wie De Kooning, Pollock o Twombly beeinflusst wurde. In 1981, nach einer Phase in der er expressionistische und bildhafte Werke geschaffen hatte, wurde er Dank der Bienal Internacional de Sao Paulo (Brasilien) auf internationaler Ebene bekannt. Im darauffolgenden Jahr,  war er der einzige spanische Künstler der bei der Documenta Austellung (Kassel) miteinbezogen wurde, wo er unteranderem auf Keith Haring und Jean Michel Basquiat traf.

1983 richtete er sein Studio in dem Pariser Viertel Bastille ein, das regelmäßig Javier Mariscal besucht wurde. Im selben Jahr reiste Barceló nach New York, wo er Andy Warhol kennenlernte, von dem er auch ein Porträt schuf. 1984 nahm er an der Bienale in Venedig teil und an einer Ausstellung, die im MoMA in New York gezeigt wurde, welche die Größen der internationalen Kunstszene vereinte, von denen Barceló mitunter der jüngste Teilnehmer war. Zwischen 1986 (das Jahr in dem er den Premio Nacional de Artes Plásicas erhielt) und 1987 arbeitete und lebte er zwischen Mallorca, New York und Paris.

1988, in Begleitung von Javier Mariscal, unternahm er seine erste Reise nach Afrika, jener Kontinent der seine späteren Werke auf eintscheidende Weise beeinflusste. In 1992, nachdem er seine ersten Skulpturen in der feria Arco de Madrid  ausgestellt hatte, zog er nach Mali. Ein Jahr später, verwirklichte der Regieseur Jean-Marie del Moral einen Dokumentarfilm über die verschiedenen Kreativphasen Barcelós, welcher in Mallorca, Paris und Mali gedreht wurde. 1994 stellte die Londoner Galerie Whitechapel eine wichtige Retrospektive aus, die im Nachhinein auch im Insituto Valenciano de Arte Moderno (IVAM) ausgestellt wurde. Dieser Retrospektive folgte 1998 eine Ausstellung im Museu d’Art Contemporani de Barcelona, welche die gesamten Kunstwerke, die Barceló in den vorhergehenden zehn Jahren geschaffen hatte, umfasste.

Miquel BarcelóIn 2002 begann er das Restaurationsprojekt der Capilla von Santísimo, der Kapelle von Palmas Kathedrale in Mallorca, wofür er ein großes Wandgemälde aus Keramik geplant hatte. Im darauffolgenden Jahr, wurde er mit dem Premio Príncipe de Asturias de las Artes ausgezeichnet. In 2004, installierte er das Keramik Wandgemälde in der Kathedrale von Palma, womit die erste Phase von Barcelós Restauration abgeschlossen wurde und in 2006 volleständig beendete. Im folgenden Jahr unternahm Barceló andere wichtige Projekte, wie die Dekoration der Kuppel des Saales XX, dem Saal der Menschenrechte am UNO-Sitz in Genf.

Bei der 53. Bienale in Venedig, 2009, stellte Barceló als Einziger im spanischen Pavillon aus. Wenig später unternahm er eine weiter Reise, dieses Mal in die Umgebung des Himalayas. Im folgenden Jahr organisierte die Caixa Stiftung, la Obra Social de La Caixa, eine wichtige Ausstellung die den künstlerischen Werdegang der letzten 25 Jahre von Miquel Barceló zeigte und wurde in Madrid und Barcelona ausgestellt. Die Dokumentation „La cúpula de Barceló“ (Barcelós Kuppel), bei der Agustí Torres Regie geführt hatte, wurde 2010 zum ersten Mal ausgestrahlt. Sie handelt vom Kreativprozess des mallorquinischen Künstlers, der zur Entstehung des Salles der Vereinten Nationen in Genf führte. In 2011 gab es zwei Premieren, von Filmen in denen Barceló mitgewirkt hatte, und Isaki Lacuesta Regie führte. Zum einen „El cuaderno de barro“ (Das Tontagebuch) und zum anderen „Los pasos dobles“ (Die doppelten Schritte), der mit der Goldenen Muschel beim Filmfestival de San Sebastián ausgezeichnet wurde.

Während der Verleihung des Preises an Miquel Barceló, wurde von den Juroren vorallem seine „Hingabe“ und seinen „langen Werdegang“ im Holzschnitt und der grafischen Kunst in den letzten 30 Jahren hervorgehoben. Dem folgte eine große Ausstellung des mallorquinischen Künstlers im Hauptsitz der Real Academia de Bellas Artes en San Fernando in Madrid.