Palacio de Ripalda und UmgebungIm valencianischen Viertel Pla del Real, wo sich heutzutage das unter dem Namen “La Pagoda” bekannte Luxuswohnhaus befindet, gab es einst ein märchenhaftes Schloss, den Palacio de Ripalda. Dieses kleine, romantische Schlösschen befand sich zwischen dem Park Jardines de Monforte und der Promenade Paseo de Valencia al Mar (heute: Avenida Blasco Ibáñez) und ähnelte den französischen Schlössern sowie der herrschaftlichen, zentraleuropäischen Bauweise. Niedergelassen hatte man sich in der valencianischen Alameda Region, einer der bevorzugten Spazierorte der einheimischen Bourgeoisie. Eine davon war Maria Josefa Paulín de la Peña, verwitwete Gräfin von Ripalda, die Ende des 19. Jahrhunderts lebte und die den berühmten Architekten Joaquín Arnau Miramón mit dem Bau des einzigartigen Gebäudes, dem Palacio de Ripalda, beauftragte. Dieser wurde sodann zwischen 1889 und 1891 errichtet. Die Gräfin von Ripalda war auch Fördererin der bekannten Passage der Stadt Valencia, die den Plaza del Ayuntamiente (Rathausplatz) mit der Straße San Vicente verbindet und damals eine Einkaufsgalerie mit eleganten Geschäften und einem Hotel darstellte. In dessen Innerem konnten die Valencianer zum ersten Mal eine neue Erfindung, den Aufzug, bestaunen.

Die endgültigen Details des fertiggestellten Herrschaftshauses entsprachen der imposanten, herrschaftlichen Bauweise, die an der Küste des Loire zu sehen ist und ähneln Palästen des italienischen Risorgimento, an denen man sich orientiert hatte. Es mangelte dem Palacio de Ripalda daher nicht an Zinnen, Aussichtspunkten,Palacio de Ripalda gotischen Fenstern und hatte auch einen charakteristischen Festungsturm, der von einem Helm abgeschlossen wurde. Nach dem Tod der Gräfin im Jahr 1895 wurde der Palacio de Ripalda von ihren Nachkommen genutzt. Von da an begann ein langsamer, aber starker Verfall, der Mitte der sechziger Jahre seinen Höhepunkt erreichte, als das Stadtrat von Valencia entschied, eine neues Messezentrum außerhalb der Stadt zu errichten. Aufgrund dessen versteigerte der Stadtrat das Gelände, das in den dreißiger Jahren für die Feria Muestrario Internacional genutzt wurde. Diesem fügte man angrenzende Gebiete hinzu, unter denen sich der Palacio de Ripalda befand.

Nach seinem Abriss erbaute man ab den frühen siebziger Jahren auf dem Platz, den früher der Palacio de Rispalda beanspruchte, eines der luxuriösesten Wohnungsbauprojekte seiner Zeit. Dabei handelte es sich um das Torre de Ripalda Bauwerk oder auch – wie es von den meisten Valencianern genannt wird – das “La Pagoda”. Das 16 Etagen umfassende Bauwerk gilt mittlerweile als Fixpunkt der Stadt und wurde von den Architekten Antonio Escario, José Vives und José Antonio Vidal entworfen. Es beinhaltet großflächige Apartments, die im Laufe der Jahre von den Nachkommen der früheren Palasteigentümer, Torre de Ripalda: “La Pagoda”Politikern und Geschäftsleuten bewohnt wurden.  Als Anekdote dazu wollen wir Ihnen ein wenig über die Legenden um den Abriss des alten Schlosses erzählen. Eine davon besagt, dass man es Stein für Stein abbaute (eigentlich eine unmögliche Tatsache, da es großteils aus Mauerwerk bestand) und in den Vereinigten Staaten für einen amerikanischen Millionär wieder errichtete. In einer anderen heißt es, dass das Bauwerk als Vorbild für das Aschenputtel-Schloss von Walt Disney diente. Wie auch immer, der Palacio de Ripalda ist – ein halbes Jahrhundert nach seinem Verschwinden – immer noch Teil des kollektiven Gedächtnisses der Valencianer.